Die Neupfarrkirche
Bewegte Geschichte einer Europakirche
Judenviertel
Die Neupfarrkirche und der sie umgebende Platz gehörten ursprünglich zum mittelalterlichen Wohngebiet der jüdischen Bürger dieser Stadt. Die Pogrome des Februar 1519 und die anschließende Vertreibung der Juden beendeten jedoch das jahrhundertelange friedliche und tolerante Zusammenleben der jüdischen und christlichen Bevölkerungsteile auf schreckliche Weise. Die Wohngebäude der Juden und die altehrwürdige romanische Synagoge wurden eingerissen. Ergrabene Überreste der jüdischen Siedlung sind heute im "document Neupfarrplatz" unter dem Neupfarrplatz zu besichtigen. An der Stelle der früheren Synagoge befindet sich seit 2005 das begehbare Gedenkareal des jüdischen Künstlers Karavan.
Auf dem Gelände der alten Synagoge wurden unverzüglich eine Holzkapelle und eine triumphalistische Marienfigur errichtet, kurz danach begann der Bau der heutigen Neupfarrkirche.
Wallfahrtskirche
Die Kirche organisierte rasch eine "Wallfahrt zur Schönen Maria", und der Ort wurde mit 25.000 gelesenen Messen in nur drei Jahren eine der meistbesuchten Wallfahrtstätten Europas.
Die Stadtväter Regensburg beauftragten den aus Augsburg stammenden Architekten Hans Hieber mit dem Bau der heutigen Kirche, die jedoch nicht seinen prunkvollen Plänen gemäß ausgeführt worden ist, sondern bis in die 1860er Jahre ein Fragment aus Ostchor, Hauptschiff und den Zwillingstürmen blieb.
Erst 1860-1863 wurde die Kirche durch den Münchner Architekten Ludwig Foltz in ihrer heutigen Form vollendet.
Baudenkmal
Die Neupfarrkirche ist der bedeutendste kirchliche Renaissancebau der Region. Hier vereinigen sich mittelalterliche Stilelemente mit spätgotischen und diversen für die damalige Baukunst völlig neuartigen italienischen Formen.
Reformation
1542 trat Regensburg zur Evangelisch-Lutherischen Konfession über. Am 15. Oktober 1542 wurde in dieser Kirche erstmals das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgeteilt.
Neue Pfarre
Die ehemalige katholische Wallfahrtskirche zur Schönen Maria wurde nun zur „Neuen Pfarre“ des evangelischen Regensburg.
Europakirche
Von jeher war Regensburg auch mit dem Süden und Südosten Europas eng verbunden. Deswegen ergab es sich, dass von dieser Gemeinde aus zahlreiche lutherische Geistliche und Gelehrte nach Südosten zogen. So wurden zwischen 1580 und 1620 etwa 140 evangelische Pfarrer für Gemeinden in Österreich ordiniert. Zu Recht bezeichnet der Regensburger Historiker Dr. Peter Morsbach deswegen die Neupfarrkirche als „Mutterkirche für das evangelische Österreich und ganz Südosteuropa“.
Von den wenigen noch original erhaltenen Wappenscheiben in den Fenstern der Neupfarrkirche ist die eucharistische Scheibe von 1885 über dem Stadtwappen im Altarfensterfeld von zentraler Bedeutung. Sie bildet den Kern des Vereinsemblems des Kirchenbauvereins der Regensburger Neupfarrkirche.
Universitätskirche
Die Neupfarrkirchengemeinde ist die Mutterpfarrei des evangelischen Regensburg und Sitz des Dekans. Darüber hinaus ist sie die evangelische Universitätskirche.
Herz der Altstadt
Die Neupfarrkirche steht frei auf dem größten Platz der Regensburger Altstadt und bildet deren geographischen Mittelpunkt.
Kulturstandort
Ein derzeit schon reiches spirituelles und kirchenmusikalisches Leben verleiht ihr eine große überregionale Bedeutung.
In Erweiterung der derzeitigen Nutzung der Neupfarrkirche sind für die Zukunft folgende Punkte geplant:
- in Gestaltung und Umfang erweiterte liturgische Angebote
- ökumenische Programme
- Universitätsgottesdienste
- verstärkte kirchenmusikalische Aktivitäten
- Konzertreihen mit international renommierten Solisten und Ensembles
- Wortveranstaltungen wie Vorträge, Lesungen, Alltagspredigten und Sonntagsschule
- temporäre und dauerhafte Ausstellungen
- kirchenmusikalische Workshops und Meisterkurse
- interkulturelle Symposien
- sakrale Konzerte für VIP-Gäste der Stadt Regensburg
- Präsenz und Übertragung dieser Angebote auch in überregionalen Rundfunk- und Fernsehprogrammen sowie im Internet.
Diese erweiterte Nutzung hebt die Bedeutung dieser Kirche als spirituelles und weltliches Zentrum für die Bürger der Stadt Regensburg und ihre Gäste hervor.
Das detaillierte Nutzungs- und Vermarktungskonzept wurde ausgearbeitet durch eine Businessplanseminargruppe der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Regensburg unter Prof. Dr. Michael Dowling in Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand.









